Der Arbeiter in der intelligenten Fabrik - Wissenschaftsministerium fördert neues Fortschrittskolleg in OWL

Künftig sollen Fabriken schneller und individueller produzieren. Damit das möglich ist, arbeiten Betriebe daran, ihre Herstellungsprozesse noch flexibler zu gestalten. Industrie 4.0 ist das Schlagwort, mit dem dieser Wandel hin zu intelligenten Fabriken beschrieben wird. Dieser Umbau wirkt sich auch auf die Betriebe und ihre Mitarbeiter aus. In einem neuen Forschungskolleg werden die it's OWL Clusterpartner Universität Bielefeld und Universität Paderborn untersuchen, welche Maßnahmen die Mitarbeiter und Betriebe dabei unterstützen können. Das Wissenschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen fördert das neue Fortschrittskolleg NRW als eines von sechs neuen Kollegs mit 2,6 Millionen Euro.

„Wir analysieren, welche Auswirkungen die Umstellung der Produktionsprozesse auf das Arbeitsleben hat“, sagt der Informatiker Professor Dr. Ulrich Rückert von der Technischen Fakultät der Universität Bielefeld. Er hat das Fortschrittskolleg mit beantragt. Es trägt den Titel: „Gestaltung von flexiblen Arbeitswelten – Menschen-zentrierte Nutzung von Cyber-Physical Systems in Industrie 4.0“.

Im Fortschrittskolleg werden in den kommenden viereinhalb Jahren bis zu 15 Doktoranden der Universitäten Bielefeld und Paderborn interdisziplinär zusammenarbeiten. Das Fortschrittskolleg verknüpft Informatik, Ingenieurwissenschaften mit Wirtschaftspädagogik und Arbeits- und Organisationspsychologie in den einzelnen Promotionsprojekten.

Die Cyber-Physical Systems, mit denen sich die Doktoranden befassen, sind mobile und eingebettete Geräte, die zunehmend in der industriellen Fertigung eingesetzt werden: Funk-Chips (RFIDs), drahtlose Sensornetze mit mitunter winzigen Computern oder auch Smartphones und Tablet-PCs. Diese Geräte verknüpfen Abläufe der physischen Welt mit digitalen Systemen, so dass zum Beispiel sich selbststeuernde Logistik- und Produktionsprozesse möglich werden.

„In dem Fortschrittskolleg soll unter anderem erforscht werden, wie gut die Beschäftigten die neuen Arbeitsbedingungen akzeptieren. Wir arbeiten daran, die neue Technik so zu verändern, dass sie den Mitarbeitern nützt. Und es sollen Konzepte dazu entwickelt werden, wie die Arbeitsplätze von Beschäftigten umgestaltet werden müssen, damit sie mit den neuen Produktionsbedingungen gut zurechtkommen“, erklärt Ulrich Rückert.

Dazu gehört, Maschinen „Gespür“ für menschliche Regungen beizubringen. Die neue Technik soll etwa erkennen, wenn ein Arbeiter müde wird oder gestresst ist, und soll dann in der Lage sein, darauf zu reagieren – indem sie die Abläufe verlangsamt oder den Arbeiter an die Pause erinnert. Welche Qualifizierungen und welche Weiterbildung brauchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der intelligenten Fabrik? Und wie verändern sich die Rollen der Beschäftigten? Auch um solche Fragen geht es in dem neuen Fortschrittskolleg. Für diesen psychologischen Blick ist Professor Dr. Günter W. Maier zuständig. Er leitet die Forschungsgruppe zu Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Bielefeld.

Das Fortschrittskolleg wird vom PACE (Paderborn Institute for Advanced Studies in Computer Science and Engineering) der Universität Paderborn koordiniert. Der Bezug zur Praxis wird durch die enge Anbindung an das Spitzencluster it's OWL, das Innovationsnetzwerk Energie Impuls OWL e.V., die Technologieberatungsstelle beim DGB NRW e.V. und IG Metall NRW sichergestellt. In der Universität Bielefeld wird ein Großteil der Forschung des Fortschrittkollegs am Forschungsinstitut für Kognition und Robotik (CoR-Lab) angesiedelt sein.

Insgesamt fördert das Wissenschaftsministerium sechs neue Fortschrittskollegs. Die Förderung beginnt am 1. Juli 2014. Die Kollegs sind Bestandteil von „Fortschritt NRW“, der Forschungsstrategie des Landes NRW. 

Weitere Informationen:
www.wissenschaft.nrw.de/ministerium/leitlinien-des-ministeriums/fortschritt-nrw

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