Arbeiten in der digitalen Welt - Neue Nachhaltigskeitsmaßnahme Arbeit 4.0 gestartet

Paderborn, 05. Februar 2016. Im Themenfeld Industrie 4.0 stehen oftmals technische Zusammenhänge im Mittelpunkt. Mit der neuen Nachhaltigkeitsmaßnahme des Spitzenclusters "Arbeit 4.0" rückt der Wandel hin zu einer digitalisierten Arbeitswelt in den Vordergrund. Das Fraunhofer IEM, die Universitäten Bielefeld und Paderborn sowie die Hochschule OWL widmen sich seit Anfang des Jahres den arbeitsorganisatorischen und psychologischen Aspekten der Digitalisierung der Arbeit.

Bei der Kick Off-Veranstaltung am 28. Januar in Paderborn stellten die Projektpartner ihr Forschungsvorhaben vor, das sich im Spannungsfeld zwischen Mensch, Organisation und Technik bewegt. „Nicht nur Produkte und Prozesse werden in der Industrie 4.0 digitalisiert und vernetzt, sondern auch die Arbeit: Mithilfe modernster Technologien werden Arbeitsabläufe künftig digitaler, flexibler und kollaborativer“, so Dr.-Ing. Roman Dumitrescu (Geschäftsführer it's OWL). Gleichzeitig wies er auf die großen Herausforderungen hin, die durch veränderte Arbeitswelten entstehen: Welche Rolle spielt Arbeit in der automatisierten, vernetzen Fabrik der Zukunft? Welche Qualifikationen und Kompetenzen müssen aufgebaut werden? Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Arbeitswelt auf den Menschen, auf Prozesse und Strukturen im Unternehmen? 


Industrie 4.0 im Spannungsfeld von Mensch, Organisation und Technik: Das Projektkonsortium der Nachhaltigkeitsmaßnahme „Arbeit 4.0 bei der Kick off-Veranstaltung in Paderborn.
Industrie 4.0 im Spannungsfeld von Mensch, Organisation und Technik: Das Projektkonsortium der Nachhaltigkeitsmaßnahme „Arbeit 4.0 - Arbeiten in der digitalen Welt“ bei der Kick off-Veranstaltung in Paderborn. Foto: David Gense

Das Konsortium aus Fraunhofer IEM, der IG Metall Bezirksleitung NRW, der Sustain Consult GmbH, dem Institut für Industrielle Informationstechnik (inIT) der Hochschule OWL, dem Software Innovation Campus (Universität Paderborn) und der Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Bielefeld geht diesen Fragen seit Januar nach. Basis für die Forschung sind sechs Pilotprojekte mit Unternehmen aus der Clusterregion OstWestfalenLippe. Sie ermöglichen es, alle Forschungsfragen zu Arbeit in der Industrie 4.0 direkt aus der industriellen Praxis heraus anzugehen und die Ergebnisse später für weitere Unternehmen anwendbar zu machen. 

Digitale Technologien

Dabei rücken zunächst digitale Technologien in den Fokus, mit deren Hilfe Arbeits- und Unternehmensprozesse künftig erleichtert und optimiert werden sollen. Augmented Reality (AR) ermöglicht es beispielsweise, das reale Arbeitsumfeld mit zusätzlichen virtuellen Informationen anzureichern. Tablets oder Brillen projizieren dabei Mitarbeitern wichtige Hinweise zu Bedienung und Wartung ins Blickfeld. 


Digitale Arbeitswelt: Durch Augmented Reality wird Mitarbeiter Informationen zu Bedienung und Wartung direkt ins Blickfeld projiziert.
Digitale Arbeitswelt: Durch Augmented Reality wird Mitarbeiter Informationen zu Bedienung und Wartung direkt ins Blickfeld projiziert. Foto: Fotolia/William Neufeld

Auch in der Entwicklungsarbeit bieten digitale Technologien viele Vorteile. Denn die Entwicklung intelligenter technischer Systeme steht künftig vor einer doppelten Herausforderung. Zum einen müssen Methoden gefunden werden, die die Komplexität der Produkte bereits in der Entwicklung bewältigen und eine transparente Zusammenarbeit der unterschiedlichen Disziplinen ermöglichen. Zum anderen erfolgt der Entwicklungsprozess zunehmend in Entwicklungs- und Innovationsnetzwerken, die über zeitliche und räumliche Grenzen hinweg agieren. „Diese Komplexität wird künftig nur mit den entsprechenden digitalen Technologien und Konzepten zu bewältigen sein. Nicht nur die Produktions- sondern auch die Entwicklungsarbeit wird zunehmend digitalisiert“, sagt Michael Bansmann vom Fraunhofer IEM.

Auswirkungen auf die Beschäftigten

Die Einführung neuer Technologien, Werkzeuge und Methoden aus dem Kontext Industrie 4.0 hat erhebliche Auswirkungen auf die Beschäftigten und die Unternehmensorganisation. Wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeitsmaßnahme wird deshalb die Analyse der neuen Arbeits- und Organisationskulturen sein. Welche neuen Arbeitsumfelder entstehen? Welche Schwierigkeiten können dabei für die Beschäftigten auftreten? Wie lassen sich die Einführung neuer Technologien und das entsprechende Arbeitsumfeld optimal gestalten?  Mit welchen Qualifizierungsmaßnahmen sind Beschäftige für die Industrie 4.0 gerüstet? „Die Skepsis gegenüber der Digitalisierung der Arbeit ist relativ hoch“, erläutert Wolfgang Nettelstroth von der IG Metall Bezirksleitung NRW. „Jede und jeder Dritte sieht sich ganz persönlich vor tiefgreifenden Risiken: Den neuen Anforderungen nicht mehr folgen zu können, den bisherigen Arbeitsplatz zu verlieren, durch die Technik gesteuert, überwacht oder in der eigenen Leistung und Kompetenz entwertet zu werden. Und dem gegenüber stehen hohe Erwartungen: An Möglichkeiten der persönlichen Weiterbildung, an die offensive Entwicklung der Arbeitsplätze, der Standorte sowie der Qualität künftiger Arbeitsbedingungen. Information und Dialog über die Gestaltungsoptionen sind zwei wichtige Voraussetzungen, die Chancen der Arbeit 4.0 zu nutzen und deren Risiken zu begrenzen."

Pilotprojekte sichern Transfer der Ergebnisse

Ziel der Nachhaltigkeitsmaßnahme Arbeit 4.0 ist die Aufbereitung der in den Pilotprojekten gesammelten Erkenntnisse für weitere Unternehmen. Ein Leitfaden zur Gestaltung digitalisierter Arbeitswelten dokumentiert die Ergebnisse und wird interessierten Unternehmen zur Verfügung gestellt. Die Projektpartner werden darüber hinaus einen Demonstrator entwickeln, der die Potentiale von Arbeit in der digitalisieren Welt veranschaulicht.

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